#Vertrauen und #Respekt muss man sich verdienen – Computer says „NO“

Ihr habt die Sätze „Vertrauen muss man sicher verdienen.“ und „Respekt muss man sich verdienen.“ sicherlich schon mal gehört. Ich habe mich gefragt: Ist da was dran? Wie der Titel es schon verrät, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass da nichts dran ist.

Die „Vertrauen muss man sich verdienen.“ ist weniger ein Apell, denn eine Art Selbstschutz. Wenn ich erst dann jemandem vertraue, wenn diese Person bewiesen hat, dass sie dieses Vertrauen nicht missbraucht, dann gehe ich auf Nummer sicher. Die Möglichkeit enttäuscht zu werden wird zu minimieren versucht. Um ein solches Prozedere durchzuziehen, müsste man Vertrauen ja in kleinen Dosen verteilen, um dann zu schauen, ob es klappt. Das heißt nichts anderes, als der Gegenüber einem Test zu unterziehen. Dieser ist dann – ausgesprochen oder nicht – in die Pflicht genommen einen Beweis anzutreten.

Also, wenn ich einer Person – nennen wir sie Hinnerk – einem solchen Test unterziehe, muss Hinnerk zeigen, dass er mein Vertrauen nicht missbraucht. So verdient er sich mein Vertrauen. Vertrauenswürdig zu sein ist ja gemeinhin etwas Gutes. Hinnerk muss also gewissermaßen beweisen, dass er unschuldig ist. Erweist er sich jedoch als schuldig, so entziehe ich ihm mein Vertrauen wieder.

Die Haltung des Vorschussmisstrauens verleitet dazu penibel nach Anzeichen und Hinweisen dafür zu suchen, dass jemand Vertrauen tatsächlich nicht verdient. Misstrauen, Misstrauen, Misstrauen. Das ist nicht schön für andere und schon gar nicht für einen selbst.

Ich finde beim Thema Respekt wird es noch etwas ärger. Die Einforderung eines Respektwürdigkeitsbeweises ist nämlich kein Selbstschutz, sondern schlicht eine Form der Arroganz. Für mich klingt der Satz „Respekt muss man sich verdienen.“ mehr nach „Bevor Dir die unvergleichliche Güte und Gnade meines Respekts vor deiner kümmerlichen Existenz zukommen kann, musst Du Dich – niederer Wurm, der Du nun mal bist – in meinen Augen zunächst als gefällig erweisen.“ Oder anders: „Ich Chef – Du nix“.

Beiden Sätzen wohnt Distanzierung zu jedwedem neuen Gegenüber inne. Dieses Gegenüber steht unter dem Generalverdacht vertrauensunwürdig oder gar – in welcher Art und Weise auch immer – so verkommen zu sein, dass ich ihm nicht auf Augenhöhe begegnet wird. Es findet also sowohl eine Distanzierung und eine Selbsterhöhung statt – man selbst ist schließlich per se vertrauenswürdig und verdient Respekt –. Doch das kann niemals eine Grundlage für ein solides Miteinander sein. Ich mache das nicht mit. Zumindest will ich das nicht mitmachen. Ich möchte meinen Mitmenschen vertrauen und sie respektieren. Und ihnen Vertrauen und Respekt nur dann entziehen, wenn ich dies vor meinem entsprechenden Gegenüber und mir selbst aufgrund von klar benennbaren Tatsachen rechtfertigen kann. Nicht immer gelingt mir das. Das gestehe ich gerne ein. Doch ich versuche nach Kräften hier ein Auge auf mich selbst zu haben, um nicht von dieser Grundhaltung abzuweichen und um gegebenenfalls mein Verhalten korrigieren zu können.

Vertraut einander, respektiert einander, seit nett zu einander. Unglaublich stumpf, unglaublich ausgelutscht, aber unglaublich wahr.

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